Das Fach Erdkunde





Das Fach Erdkunde war für viele von uns nicht sehr ansprechend. Eine Unterrichtseinheit jedoch sollte sich wie keine andere in unserem Bewusstsein festsetzen und bis heute bei vielen die Haupterinnerung an unseren Erdkundeunterricht am GSG darstellen. Es handelt sich dabei um die berühmte Unterrichtseinheit von Dr. Hardung in Klasse 10 zum Thema "Karte und Kompass". Dieses Thema war das Steckenpferd von Dr. Erich Hardung und er versuchte aus Leibeskräften uns diesen ganz besonderen Reiz spüren zu lassen, der für ihn von dem sachgerechten Gebrauch einer Karte zusammen mit einem Kompass ausging.







DIE KARTE 

Bis dahin hatten wir Karten nur als Bilder in unserem Atlas kennen gelernt, bei denen oben Norden und unten Süden ist. In unserem braunen Diercke Weltatlas waren sehr viele von diesen bunten Bildern enthalten, kleine mit nur einem einzigen Ort oder einer Stadt, stark braun gefärbte mit Gebirgen, stark blau eingefärbte mit Regenmengen, überwiegend schraffierte und gepunktete mit Bodennutzung, Bodenarten, Bodengüte. Ganz hinten im Diercke waren dann noch große Bilder der ganzen Erde mit ganz vielen verschiedenen Symbolen unterschiedlicher Farbe, Form, Größe und Beschriftung zum Welthandel und Weltverkehr und sogar Bilder vom Mond und den Sternen.


Quelle: Diercke Weltatlas, 168. Auflage (80. Auflage der Neubearbeitung), Seite 160, Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1972.



Von wegen, ....... Bilder! ....... Karten sind keine einfachen bunten Bildchen! Ja, wie konnten wir bloß auf eine solch verwegene Idee kommen? Und so geschah es, dass sich Dr. Erich Hardung dazu aufgerufen sah, uns zuerst einmal eine Kurzeinführung geben zu müssen, damit wir für immer von diesem Irrglauben kuriert würden. Mir liegt heute ein einzigartiges historisches Dokument in Form eines Erdkundeheftes vor, aus dem ich nun die wichtigsten Zusammenhänge, die Basisinformationen des Themas zitieren will:

"Die Karte (physikalische Karte) ist das verkleinerte, verebnete und erläuterte Grundrissbild der Landoberfläche. Karten arbeiten in ihren Größen, in Maßstäben, die abhängig davon sind, wie genau eine Karte sein soll (Größenverhältnis)."

"Große Maßstäbe haben kleine Zahlen hinter dem Doppelpunkt z.B. 1:25000 (4cm-Karte)"

"Karten arbeiten mit Symbolen (Bohrturm = Öl, Farbe Grün = Tiefebene, Farbe Braun = Erhebung, Farbe Blau = Wasser (Meer, Flüsse), Farbe Rot = Städte/Grenzen, Farbe Gelb = Wüste)."

"Wenn man von Stadt zu Stadt messen will, muss man im Stadtkern anlegen."

"Entfernungen werden durch den Maßstab gemessen. Fehlt der Maßstab, gehen wir von einer bekannten Größe aus und erschließen uns so den Maßstab."

"Isotherme sind Linien gleicher Temperatur, wobei es welche gibt, die Orte gleicher Temperatur verbinden."

"Im Sommer verlaufen Isotherme von Ost nach West, weil der Wärmeschub in der Luft von Süden kommt und sich von Breitengrad zu Breitengrad verändert."

"Die Erde ist mit einem Gradnetz überzogen, damit man Orte genau bestimmen kann. Es gibt Längengrade von Nord nach Süd und Breitengrade von Ost nach West."

"Breitenkreise sind Vollkreise. [...] Längenkreise gehen von Pol zu Pol und hören dort auf (Halbkreise). [...] Breiten- und Längenkreise schneiden sich mit 90°."

"Es gibt nördliche und südliche Wendekreise und zwei Polarkreise. Die Erde ist um 23.5° aus der Senkrechten gekippt zur Sonne. Daher sieht es so aus, als wenn die Sonne immer von Wendekreis zu Wendekreis wandert."

"Die Sonne steht im Sommer höher, weil der Tagbogen der Sonne viel größer ist als im Winter. Der Tagbogen im Frühling und im Herbst liegt zwischen dem Tagbogen von Sommer bzw. Winter."



Handgezeichnete(!) Karte von Asien mit Völkerkarte und Temperaturkarte im Maßstab 1:30000000

DER KOMPASS


Unser Wissen über den Kompass erschöpfte sich am Schuljahresbeginn mit folgenden beiden Tatsachen: 1.) Die Kompassnadel zeigt immer nach Norden. 2.) Sie tut das aufgrund des Magnetfeldes der Erde.


Diese spärliche Wissen bedurfte einer massiven Vervollständigung, wie Dr. Hardung meinte. Und so eröffnete er uns staunenden Erdkunde-Banausen, dass ein Kompass immer waagrecht gehalten werden muss, dass er Kimme und Korn besitzt und außerdem noch eine Skala mit sogenannten Marschzahlen, oft sogar mit roter Farbe hervorgehoben! Diese geheimnisvollen Marschzahlen seien für die Orientierung im Gelände unerlässlich und könnten mit Hilfe des drehbaren Skalenrades auch noch eingestellt werden, z.B. die 23. Selbst wenn die aktuelle Marschzahl nicht bekannt sei, könne sie trotzdem mit Hilfe einer geeigneten Landkarte bestimmt und damit nutzbar gemacht werden. Wir waren platt konnten es nicht glauben! Die genaue Anleitung dazu ist dem folgenden Geheimpapier zu entnehmen.





Auf diese Weise lernten wir was für's Leben, etwas, das uns später von Nutzen sein konnte, wenn wir auf uns allein gestellt in einem unbekannten Gelände nur mit Kompass und Karte ausgerüstet zurück nach Hause finden mussten.
Zusammen mit den anderen drei grundlegenden Informationen zur räumlichen Orientierung auf der Erde, die uns in der 10. Klasse zugänglich gemacht wurden ...

... sind wir nun gut für unser Leben gerüstet.