GSG - Der Hausmeister


Vorbemerkung

Die Hausmeistertätigkeit an einer Schule gehört sicher nicht zu den einfachen Berufen. Der Hausmeister ist auf der einen Seite für den reibungslosen Schulbetrieb verantwortlich und der Schulleitung gegenüber in der Pflicht. Auf der anderen Seite hängt der reibungslose Schulbetrieb aber auch von den Schülern und Schülerinnen ab, die einem Hausmeister das Leben sehr schwer machen können, wenn sie wollen. Der Hausmeister versucht also jeden Tag immer wieder neu einen komplizierten Spagat zwischen Schulleitung und Schülern. Er bewegt sich dabei auf einem sehr schmalen Grat zwischen den beiden Fragestellungen:

"Was ist von Schülerseite gerade noch tolerierbar?" oder "Was ist die obere Grenze des Hinnehmbaren?"
"Was ist von Schulleitungsseite mindestens umsetzbar?" oder "Was ist die untere Grenze des Machbaren?"

Überschreitet der Hausmeister eine der beiden Grenzen, dann ist der Schulfrieden akut gestört und der reibungslose Schulbetrieb rückt in unerreichbare Ferne. Der Hausmeister ist sozusagen die Kupplung zwischen Schülermotor und Schulleitungsfahrwerk damit das "Vehikel Schule" immer auf dem richtigen Weg bleibt. Er muss Freund der Schüler und gleichzeitig Gehilfe der Schulleitung sein. Diese beiden Rollen muss er dabei aber so überzeugend spielen, dass keine Seite irgend einen Zweifel an seiner Loyalität hegt, eine wahrlich schwierige Aufgabe!


Der Hausmeister Walter Lödel

Zu unserer Zeit war Walter Lödel Hausmeister am GSG. Wir lernten ihn als älteren Herrn mit Brille und grau-blauer Dienstjacke kennen, der uns als Schülern immer ruhig und sachlich aber auch humorvoll gegenübertrat. Wenn es nötig war, ließ er auch Strenge und Kritik nicht vermissen, blieb aber dabei stets fair und freundschaftlich. Wir mochten ihn auch deshalb, weil wir ihn in seiner Art gut einzuschätzen wussten und er damit berechenbar für uns war.

In seinem "Dienstzimmer", einem kleinen Räumchen im Durchgang zum Schulhof, war er meistens zu erreichen, wenn man mal wieder Kreide holen musste. Dort verkaufte er auch in den Pausen Kakao und andere Dinge, man musste sich dazu unterhalb der Uhr vor der kleinen Theke in einer Schlange anstellen.


Feierlich verabschiedet ...

... hat am letzten Wochenende Landrat Dr. Reccius den Hausmeister der Gustav-Stresemann-Schule in Bad Wildungen, Walter Lödel, im Kreishaus in Korbach.
Dabei betonte der Landrat, daß sich im Leben von Walter Lödel die Vor- und Nachkriegszeit typisch widerspiegele. Der in Thüringen geborene Lödel arbeitete nach seiner Flucht in die Bundesrepublik zunächst als Destillateur, Handelsvertreter und Baustellenführer. Seit dem 1. Juli 1968 bewährte er sich als Hausmeister der Gustav-Stresemann-Schule in Bad Wildungen, wo er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. So wählte man ihn im Jahre 1973 in den Personalrat der Kreisverwaltung und des Landratsamtes. Landrat Dr. Reccius bezeichnete Walter Lödel als einen umsichtigen, äußerst gewissenhaften Hausmeister, der in seiner sehr ruhigen und sachlichen Art - auch den Schülern gegenüber - wertvolles Kreisvermögen vorbildlich verwaltet habe.

(Quelle: Waldeckische Allgemeine vom 04.12.1979, abgedruckt in der  Festschrift zum 30jährigen Jubiläum des GSG im April 1989, Seite 119)

Walter Lödel, geboren am 21.11.1914, arbeitete vom 1. Juli 1968 bis zum 1. Dezember 1979, also für mehr als elf Jahre, als Hausmeister am GSG. Am 16. Dezember 2004 starb er im Alter von 90 Jahren.


Der Hausmeister Karl Engel

Der Nachfolger als Hausmeister am Gustav-Stresemann-Gymnasium war Karl Engel, der aus Frankenberg stammte und der vorher 20 Jahre lang als Maurer, dann als Obermonteur bei einer privaten Telefonbaufirma gearbeitet hatte. Als der Landkreis 1979 für das GSG einen neuen Hausmeister suchte, bewarb er sich und bekam als Allround-Handwerker unter 69 Kandidaten den Zuschlag. Zusammen mit seiner Frau zog er dann nach Bad Wildungen in die Hausmeisterwohnung des GSG.

Wir als Schüler hatten nur in letzten beiden Jahren bis zum Abitur mit Karl Engel als Hausmeister zu tun und nahmen ihn in seiner neuen Stelle als forsch und bestimmend wahr. Er schien schnell die Geduld zu verlieren und trat uns Schülern oft als zu streng und aufbrausend gegenüber. Die Ursache dafür ist bestimmt auch darin zu suchen, dass wir den väterlichen Umgangston seines Vorgängers gewohnt waren und mit seiner bestimmenden Art nicht richtig zurecht kamen. Unser Verhältnis zu ihm blieb bis zuletzt angespannt und so konnten wir dann auch nicht widerstehen, bei dem von uns veranstalteten Hoffest an der Schulfassade ein großes Transparent mit dem folgenden Zitat aufzuhängen:

"Dem Menschen ist ein Mensch noch immer lieber als ein Engel."

(Gotthold Ephraim Lessing in Nathan der Weise)

Im Jahr 1991 ging Karl Engel nach einem Herzinfarkt und einige Operationen in den Ruhestand, 1996 zog er zusammen mit seiner Ehefrau nach Korbach, wo er am Heiligabend 2004 das Fest der Goldenen Hochzeit feierte. Karl Engel, geboren am 08.05.1934, starb am 15.01.2014 im Alter von 79 Jahren.

(Quelle: Waldeckische Landeszeitung / Frankenberger Zeitung, Lokalnachrichten vom 08.01.2005,
Artikel von Jörg Kleine anlässlich der Goldenen Hochzeit des Korbacher Ehepaares Hilde und Karl Engel)