Das PEGASUS-Foto-Buch


Nach einem Tipp von Alfred Hucke habe ich herausgefunden, wie der frühere Wirt des PEGASUS mit richtigem Namen heißt, was er heute beruflich macht und wo ich ihn erreichen kann (was übrigens nicht ganz einfach ist). Mit ihm habe ich mich dann in Verbindung gesetzt und ihn um ein bisschen Material zum Thema "Pegasus" gebeten, vielleicht ein Foto, ein Aufkleber oder etwas Vergleichbares. Dave Badenhausen überraschte mich dann bei unserem nächsten Treffen mit einem großen, dicken Fotoalbum aus orange-rotem Kunstleder, dem PEGASUS-Foto-Buch, das er mir für meine Recherche ausleihen wollte. Darin würde ich sicher schon etwas Passendes finden.



Ich war sehr überrascht. Als wir uns dann wieder getrennt hatten und ich mit dem Album in meinem Auto saß, konnte ich einfach nicht widerstehen. Noch auf dem Parkplatz, mein Parkschein war längst abgelaufen, nahm ich das dicke Fotoalbum vom Beifahrersitz und schlug es neugierig auf. Die Zeit schien plötzlich anzuhalten und sich dann um 20 Jahre zurück zu drehen ...................

Ich will euch das mal demonstrieren!
Schlagen wir doch gemeinsam mal das PEGASUS-Foto-Buch auf und werfen einen Blick hinein!






In der ehemaligen Scheune direkt an der Wildunger Straße am Ortseingang von Odershausen neben dem Restaurant Heustübl befand sich das PEGASUS. Ab April 1978 hatte Dave die obere Etage in dem Fachwerkgebäude gemietet.








Die Eingangstür Richtung Wildunger Straße


Die Zwischentür vor der Treppe


Der Treppenaufgang nach oben


Oben am Treppenabsatz, der weiß-blaue Pfeil weist den Weg ...


... zu den Bänken mit den weißen Fellen.


Dazwischen senkrechte Fachwerkbalken




Vorsicht! In der Ecke lauert ein Monster!


Das Monster "Martin"


An der Theke


Postkarten, Sticker, Buttons


Die Bücherecke


Die Gäste ... ach nein, das sind ja nur Puppen!


Hier zu Beispiel Miss Love



"Richtige Gäste" sind im PEGASUS-Foto-Buch natürlich auch abgebildet und zwar unter der Überschrift "Lauter Pagasuser". Auf 24 Seiten sieht man auf 156 Fotos (Einzel- und Gruppenfotos) viele Gesichter, die einem sehr bekannt vorkommen, obwohl bei dem einen männlichen oder weiblichen Gast Müdigkeit und/oder Alkohol sichtbare Spuren hinterlassen haben. Unter den Fotos sind natürlich auch die jeweiligen Vornamen vermerkt. Um aber den Betroffenen ein Mindestmaß an Persönlichkeitsschutz zukommen zu lassen, sollen hier an dieser Stelle nur die drei folgenden Aufnahmen beispielhaft gezeigt werden:




Andreas


Martin

Dorthin aber, wo Martin hingeht, wenn er mal muss, möchte ich jetzt nicht den Blick des Betrachters lenken, obwohl entsprechendes Fotomaterial auch dazu vorliegt.
Hier sei nur der Spruch zitiert, den man an diesem besagten Orte in handgeschriebener Form finden konnte:

Auf dem höchsten Thron der Erde sitzt man auch bloß auf seinem Hintern!

Montaigne


Nun wollen wir uns aber wieder ansprechenderen Themen zuwenden. Unter der Überschrift
"Live im PEGASUS"
findet sich im PEGASUS-Foto-Buch eine beeindruckend lange Liste der Musiker und Musikgruppen, die dort abends live gespielt oder gesungen haben oder sonst wie aufgetreten sind.
So viele dort zu finden, hätte ich nicht erwartet!



The Noismakers
Nightcap
Norbert Althofen
Julian Dawson Band, England
Zeitwende, ex Elster Silberflug
Gerry Lockran, England
Gitti Schmalz
Cromlach, Irland
Uli Glöckner
Joe Pawlak, Polen
Airway
Patchwork
The Way, USA
Winfried Bode
Dieter Kaiser
Winchester 75
Karhans Frank, Autor
Jutta Heinrich, Autorin
Hans Lehmann, Dichter
Thomas Fohmann
Schnappsack
Dicke Lippe = Geier Sturzflug
Stefan Salamon & Co.
Ian Hunt & George Papanicola, England
Stoppok & Porada & Co.
Swami Dera Makarand, Bhagwan-Schüler
Goun, Frankreich
Attila Lusthoff
Dagobert Böhm & Band
Iven One-Man-Band
Keith Campbel, England
Günter Gorski
Peter Romanschek
Bruch & Dalles
Jerry Howell, England
Michael Wever
Friedel Michel
Subway Experience
Hartman & Middleton, USA + Canada
Feeling Brazz
Wolfgang Fahnert
Paul Guest & Peter Markl, England + Deutschland
Trallala - Peter Latala
Uriah Song Band
Hans Keller
Lorbass
Ingo Dompke
Buddhix
Rico Moreno

Wenn die Namen manchem von euch, wie auch mir, nicht viel sagen, so zeigen sie doch eines sehr deutlich:

Dave hat im PEGASUS mit großem persönlichen Engagement sein Konzept

"Mehr als Musik und Bier, nämlich Freizeit alternativ - Ausdruck eigener Freiheit"

gekonnt umgesetzt.

Er war daran interessiert, seine Gäste vom Fernseher weg zu holen und
mit einer interessanten und ansprechenden Inneneinrichtung, mit Gesellschaftsspielen, Lesestoff und Livemusik
bei fantasievollen Drinks und leckeren Snacks zu eigener Aktivität und Kreativität anzuregen.
DAS ist ihm wahrlich gelungen!


Alle Gäste, ob Mann oder Frau, ob echt oder falsch, ob geschminkt oder ungeschminkt, ob maskiert oder unmaskiert, alle, die jemals im PEGASUS gewesen sind, sind sich da einig:



Da ging die Sonne wirklich abends auf!

Das machen auch die vielen gelungenen Aufkleber deutlich, die wohl uns allen, die wir an dieser sentimentalen Zeitreise,
oh Verzeihung, natürlich an dieser "sentimental journey" teilgenommen haben, aus dem Herzen sprechen:





Doch halt, was ist denn das für ein Aufkleber? Na, der! Der rote, links unten! Man kann es fast nicht lesen, aber steht da etwa wirklich: "WORST SEVICE IN TOWN - DIE MIESESTE KNEIPE DER STADT"? - Diesen Aufkleber hat doch wohl jemand hier eingeschmuggelt! Irgend ein Übeltäter, ein subversives Element! Das kann doch eigentlich nur jemand sein, der sich außerhalb dieser schönen Welt befindet! Eine solche Person, die sich erdreistet, das PEGASUS als mieseste Kneipe der Stadt zu bezeichnen, diese Person "bestätigt die Negativität des Universums, die erschreckende Sinnlosigkeit menschlicher Existenz, endloses Nichts, die Ausweglosigkeit des Menschen, der gezwungen ist, im Käfig gottloser Ewigkeit zu vegitieren, eine kleine zitternde Flamme im Chaos einer sturmdurchtobten Leere, wo es nichts gibt als Schmutz, Schrecken und Erniedrigung in Form einer sinnlosen bleichen Zwangsjacke in einem schwarzen absurden Kosmos."

Wer bist du, du erschreckende Sinnlosigkeit menschlicher Existenz?

Ich glaube, in mir kommt ein Verdacht auf, wenn ich mir die letze Einladung von Dave zur PEGASUS-SOMMER-FETE am Samstag, dem 21. Juni 1986 genauer anschaue! Das bedrückende Motto des Abends lautete: "THE LAST CHANCE", womit Dave auf das drohende Ende des PEGASUS anspielte.



Hier steht es doch schwarz auf weiß:


Sollte etwa dieser Hauswirt, dieser Herr Schröder, der Dave das entscheidende und endgültige Kündigungsschreiben zum 1. Juli 1986 ins Haus flattern ließ, etwas mit diesem merkwürdigen Aufkleber zu tun haben? Sollte dieser Bierverleger Schröder aus Bad Wildungen-Odershausen, den das PEGASUS so gestört hat und der letztlich für dessen Ende verantwortlich ist, den "DIE MIESESTE KNEIPE DER STADT - AUFKLEBER" hier platziert haben? Wir wissen es nicht! Die Frage müssen wir offen lassen!

So, ich aber bin nun am Ende des PEGASUS-Foto-Buches angelangt und hoffe, dass ihr als Leser genauso viel Spaß beim Blättern hattet, wie ich. Die Zeit dreht sich wieder 20 Jahre nach vorne und wir alle sind im Heute und Jetzt angekommen. Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle noch sehr herzlich bei Dave Badenhausen bedanken, der mir und euch durch sein PEGASUS-Foto-Buch diese "sentimental journey" erst ermöglicht hat.


GRav 13.03.2008

(Quelle: "Das Pegasus-Foto-Buch" mit Fotos von Dave Badenhausen, Klaus Meyer, Dirk Senzel, Axel Schmidt. Ever Sunlight Production 1989.)
Um dieses wertvolle und unwiederbringliche Artefakt nicht zu sehr zu strapazieren, habe ich darauf verzichtet, Fotos oder Seiten zu entnehmen und einzuscannen.
Vielmehr sind die vorliegenden Bilder auf der Basis von Digitalfotos entstanden, die dann computertechnisch bearbeitet wurden.)