Das Bildungssystem



  Kurzeinführung in das Deutsche Bildungssystem

Begriffsklärung
Das Wort "Bildungssystem" besteht aus den beiden, in ganz verschiedenen Zusammenhängen verwendeten Begriffen "Bildung" und "System". Beide Begriffe treten oft in Kombination mit Vorsilben auf (z.B. in "Einbildung" oder in "Zurückbildung") oder in Verbindung mit beschreibenden Substantiven (z.B. in "Systemabsturz" oder in "Systemfehler"). Was bedeuten die beiden Begriffe nun aber genau?

Bildung - Der Philosoph Platon (427 – 347 v. Chr.) nennt "Vernunft", "Wille" und "Sinnlichkeit" die Ideale der Bildung und bei Immanuel Kant (1724 – 1804) wird Bildung als Weg zur Erlangung von Mündigkeit beschrieben. Das reine Abrufen von Daten und Fakten führt nicht zur Mündigkeit. Durch Wissen und Lernen alleine erreicht man dabei im Sinne von Kant noch keine Bildung.

System - "Eine Sammlung von Erkenntnissen, die nach der Idee eines Ganzen geordnet sind, in denen also Einheit herrscht", nennt Johann Gottfried Karl Christian Kiesewetter (1766 – 1819) ein System. Immanuel Kant (1724 – 1804) nennt es "ein nach Prinzipien geordnetes Ganzes der Erkenntnis". Einem System sollen also Einheit, Ordnung, Gliederung und Logik innewohnen.

Zustandsanalyse
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Bundesstaat, in dem die Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenzen für Schulangelegenheiten den Ländern zugewiesen sind. In jedem der 16 deutschen Bundesländer existiert ein eigenständiges Schulsystem, das wiederum durch ein eigenständiges Schulgesetz geregelt ist. Je nach vorherrschenden Regierungsverhältnissen in den Bundesländern unterscheiden sich die Schulgesetze in ihren Zielsetzungen beträchtlich. Von Einheit, Ordnung, Gliederung und Logik kann deshalb nicht die Rede sein. Die Lehrpläne, die oft genug Daten und Fakten in den Vordergrund stellen, lassen Vernunft, Willen und vor allem Mündigkeit in den Hintergrund treten.

Schlussfolgerung
Das Bildungssystem in Deutschland ist deshalb kein System im wörtlichen Sinne, schon gar nicht eines für Bildung. Was aber könnten wir nun an die Stelle des Wortes "Bildungssystem" treten lassen?

Wir können also nicht von "Bildung" sprechen, höchstens von "Lernen". Das Wort "System" scheidet auch aus und muss folgerichtig ersetzt werden. Nun bezeichnet aber der Begriff "Aggregat" (lateinisch aggregatum: das Angehäufte) allgemein eine Einheit, die durch Zusammensetzung einzelner, relativ selbständiger Teile zustande kommt, wobei die Selbständigkeit der Teile teilweise erhalten bleibt. Dieser Begriff würde doch den aktuellen Zustand treffend und hinreichend beschreiben. Ein Aggregat für das Lernen, ein Lernaggregat also!

Das ist es! Das ist der neue Begriff, der das "Bildungssystem" in der Bundesrepublik Deutschland ablöst: DAS LERNAGGREGAT - bundesländerübergreifend!

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Wir wollen also ab heute und in Zukunft nur noch vom Lernaggregat in Deutschland sprechen, also vom "Deutschen Lernaggregat". Ja genau, wieder ein ganz neues Schlagwort, das sich so wunderbar naht- und irritationslos einfügt in die lange Kette der modernen und zukunftsweisenden Bildungsschlagworte! Wer kennt sie nicht? Jeder, der mitreden will und der seinen pädagogischen Sachverstand anderen gegenüber unter Beweis stellen möchte, MUSS diese Bildungsschlagworte einfach kennen, beherrschen und verwenden!

Bildungsschlagworte
P I S A
Operativer Unterricht
Pädagogische Orientierung
Inklusion
Zukunftsperspektive
Problemlösestrategie
Leistungspotenzial
Kompetenzorientierung
Hochbegabung
Künstliche Intelligenz

Hoffen wir also alle gemeinsam, dass in Zukunft jeder Schüler* seinen Platz in diesem Lernaggregat finden möge und dabei stets das "e" von dem "ä" unterscheiden kann und das "n" von dem "m". Hoffen wir, dass diese destruktive Buchstabenunterscheidungsschwäche ausbleibt, damit aus dem "Lernaggregat" am Ende kein "Lärmaggregat" wird und wir uns alle zu guter Letzt dazu genötigt sehen, ein ernüchterndes Fazit zu ziehen, das da vielleicht lauten könnte: VIEL LÄRM UM NICHTS! oder NICHTS ZUM LÄRMEN!

Für diejenigen interessierten Leser* aber, die mit der Interpretation der modernen Schlagworte in der Deutschen Lernaggregatsdiskussion noch Schwierigkeiten haben, will ich im folgenden den Versuch unternehmen, diese modernen Fachbegriffe auch pädagogischen Laien näher zu bringen.

GRav


* Hinweis zur verwendeten vereinfachten Schreibweise:
Mit Rücksicht auf die bessere Lesbarkeit ist in der hier vorliegenden Kurzeinführung davon abgesehen worden, Personenbezeichnungen grundsätzlich in männlicher und weiblicher und diverser Form zu verwenden. Personenbezeichnungen in männlicher Form beziehen daher die weibliche Form und selbstverständlich auch die diverse Form ein. Die Ausführungen gelten also für Frauen und Männer und ??? gleichermaßen. Der Verfasser bittet um das Verständnis der Lesenden.




Schlagwort "PISA" *

Als Einführungsliteratur in das Thema sehr zu empfehlen:

[Quelle: Titelbild von "PISA-ALARM!", Uli Stein (www.ulistein.de), 10. Auflage 2005. 
Lappan Verlag GmbH (www.lapan.de), Postfach 3407, 26024 Oldenburg.
ISBN 3-8303-6033-9]


Der Kultusminister fordert:

Ein hochbezahlter, auf Lebenszeit verbeamteter, deutscher Lehrer muss die Schieflage

1.  alleine,                     
2.  ohne Unterstützung,
3.  ohne Mehrkosten,   
 4.  in kürzester Zeit       

beseitigen können,

es ist nur kräftiger Druck nötig!     

* Die Abkürzung "PISA" steht für "Programm for International Student Assessment", eine internationale Schulleistungsstudie. Sie ist Teil des Indikatorenprogramms INES, "Indicators of Educational Systems", der OECD, "Organisation for Economic Cooperation and Development" (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). PISA erfasst drei Bereiche: Lesekompetenz (reading literacy), mathematische Grundbildung (mathematical literacy) und naturwissenschaftliche Grundbildung (scientific literacy).



Schlagwort "Operativer Unterricht"

Hauptsache in Bewegung

Mit masochistischem Vergnügen verschlinge ich alle Zeitungstexte über Schule, vor allem die Tipps, wie ich eine noch bessere Lehrerin werde. So habe ich mir auch das Korrigieren mit dem Rotstift abgewöhnt. Denn wie eine belgische Studie herausfand, erschüttern rote Anmerkungen die Schüler. Lindgrün hingegen stimuliert sie zu guten Leistungen.
Großen pädagogischen Erfolg verspricht auch die "Gebetsmühle", von der ich neulich las. Dabei stehen die Schüler im Doppelkreis. Jeder spricht 30 Minuten lang etwa ein unregelmäßiges Verb vor sich hin. Die Plätze werden ständig gewechselt, und am Stundenschluss weiß jedes Kind 30 neue Formen! Wie ergiebig wird das erst, wenn 45 Schüler in einer Klasse unterrichtet werden.
Im Psycho-Ratgeber fand ich schließlich, dass man schwierigen Schülern nur die nackten Fußsohlen massieren muss, um sie zu beruhigen. Mitunter hilft auch ein Glas heißes Wasser, dann dreschen sie nicht mehr auf den Nachbarn ein.
Meine Schüler haben übrigens alle eine bunt beklebte Toblerone-Schachtel vor sich, wie sie von der Zeitschrift "Schule im Wandel" empfohlen wird. Damit signalisieren sie dem Lehrer den Grad ihrer Aufmerksamkeit. Die blaue Seite sagt: "Sehr interessant, fahren Sie mit Ihrem Tun fort!" Die gelbe Seite heißt: "Langeweile breitet sich in mir aus. Ich möchte viel lieber mein binnendifferenziertes Zusatzmaterial bearbeiten!" Sehe ich Rot, ist es meistens leider schon zu spät. Der Schüler hat sich bereits in die innere Emigration zurückgezogen.
Da hilft nur noch ein kleines Laufdiktat. Die Übungstexte werden an die Tür der Sporthalle gehängt, die Schüler galoppieren dorthin, um sich ein Wort oder einen ganzen Satz einzuprägen und anschließend niederzuschreiben. Mich selber befriedigt das Ergebnis zwar nicht, aber die Bildungsbeilage meiner Lokalzeitung schwört auf alles, was Schüler und Lehrer auf Trab hält. Hauptsache in Bewegung! Fünftklässler, die sich in Biologie als Mikroben auf dem Boden winden, Zwölfjährige, die in Geschichte Pilgerzüge nachstellen und so weiter. Referendare müssen im Grammatikunterricht jetzt immer Rollenspiele inszenieren: "Ich bin das Prädikat. Wo soll ich hin?" Die Schüler zerschneiden Gedichte und kleben sie handlungsorientiert wieder zusammen. Sie notieren im "stummen Gespräch" abwechselnd ihre Gedanken und hängen sie auf Plakaten auf. Und überhaupt wird nur noch in "Stationen" gelernt, einer Art Zirkeltraining für Englisch, Biologie oder auch Mathematik.
Nach der letzten Vorführstunde zupfte mich Jonas neulich verschwörerisch am Ärmel: "Wann machen wir denn eigentlich mal wieder richtigen Unterricht?"

[Quelle: Artikel "Unter Lehrern - Hauptsache in Bewegung" von Gabriele Frydrych in der Süddeutschen Zeitung vom 03.01.2005,
weitere schöne Geschichten zum Alltag an deutschen Schulen findet man z.B. in "Du hast es gut! - Glossen aus dem Schulalltag"
von Gabriele Frydrych, Verlag BoD. ISBN 3-8334-2819-8]



Schlagwort "Pädagogische Orientierung"



Auf dem Weg nach oben

Ein Mann in einem Heißluftballon hat sich verirrt. Er geht tiefer und tiefer und sieht plötzlich eine Frau am Boden. Indem er immer weiter sinkt, ruft er mit lauter verzweifelter Stimme:
"Entschuldigen Sie, können Sie mir helfen? Ich hatte einem Freund versprochen, mich mit ihm bereits vor einer Stunde am Boden zu treffen. Und nun weiß ich nicht, wo ich bin."
Die Frau am Boden antwortet:
"Sie sind in einem Heißluftballon ungefähr 10 Meter über dem Boden und Sie befinden sich zwischen dem 51. und 52. Grad nördlicher Breite und dem 9. und 10. Grad östlicher Länge."
"Sie müssen Lehrerin sein!"
ruft der Ballonfahrer.
"Stimmt", sagt die Frau, "woher wissen Sie das?"
"Nun" sagt der Ballonfahrer "alles, was Sie mir sagten, war technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll. Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, Sie waren mir keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert."
Darauf die Frau:
"Sie müssen im Kultusministerium tätig sein!"
"Ja" sagt der Ballonfahrer, "aber woher wissen Sie das?"
"Nun" sagt die Frau, "Sie wissen weder, wo Sie sind, noch wohin Sie wollen. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gegeben, haben aber keine Ahnung, wie Sie es einhalten können. Und Sie erwarten von den Menschen unter Ihnen, dass diese Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie immer noch in exakt der gleichen Situation sind wie vor unserem Zusammentreffen, aber jetzt soll ich Schuld sein."

[Autor unbekannt]



Schlagwort "Inklusion"

Begriffsklärung

Der Begriff Inklusion hat seine Wurzeln im Lateinischen. Der Begriff leitet sich ab vom lateinischen Verb includere (beinhalten, einschließen, einsperren, umzingeln). Das "Umzingeln" (z.B. wie bei einer Herde Schafe) ist also eine von mehreren möglichen Beschreibungen.

    Exklusion            Integration            Inklusion

Von weißen Schafen

Schauen Sie sich doch die obigen drei Kreise im Bild einmal genauer an. Wenn Sie sich selbst als ein weißes Schaf in der Herde weißer Schafe sehen wie links im Bild, dann zählen Sie doch mal die weißen Schafe in den Herden links, in der Mitte und rechts! Fällt Ihnen etwas auf? Wo würden Sie sich denn als weißes Schaf wohler und sicherer fühlen?

Von schwarzen Schafen

"Ich will heute durch alle deine Herden gehen und aussondern alle gefleckten und bunten Schafe und alle schwarzen Schafe und die bunten und gefleckten Ziegen."
[1. Mose 30.32]



Schlagwort "Zukunftsperspektive"

Alle im gleichen Boot

Und es begab sich, dass das Hessische Kultusministerium und die Deutsche Industrie AG im Rahmen des jährlich stattfindenden Treffens unter dem Motto "Zukunft Deutschland" ein Wettrudern mit einem Achter über die 2000m verabredeten. Beide Mannschaften trainierten lange und hart, um dabei ihre höchste Leistungsfähigkeit zu erreichen. Als der große Tag des Wettkampfs endlich da war, fühlten sich beide Mannschaften in Bestform. Der Startschuss fiel und los ging die wilde Fahrt, doch was war das? Die Industrie AG gewann mit 1750m Vorsprung und das Kultusministerium fordert sogleich Revanche. Nach dieser unerwarteten Niederlage war man im Kultusministerium sehr niedergeschlagen und die Moral war auf dem Tiefpunkt. Die politische Leitung beschloss daher, den Grund für die vernichtende Niederlage herauszufinden. Ein Projekt-Team wurde eingesetzt, um das Problem zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu empfehlen. Die durchgeführten Untersuchungen ergaben folgendes:

Bei der Industrie AG ruderte man mit acht Mann und nur einer steuerte, beim Ministerium dagegen ruderte einer und acht Mann steuerten.

Das Kultusministerium engagierte daraufhin eine Beratungsfirma, um eine Studie über die Struktur des eigenen Teams anfertigen zu lassen. Für 3,5 Millionen Euro Honorar kamen die Berater zu dem Schluss, die Struktur des Teams sei unzweckmäßig, denn es steuerten zu viele und es ruderten zu wenige. Die Teamstruktur müsse geändert werden.

Um einer wiederholten Niederlage beim nächsten Rennen vorzubeugen, wurde deshalb vom Kultusministerium die Teamstruktur wie folgt geändert:

Der Tag der großen Revanche wurde jedoch zu einem furchtbaren Desaster, denn die Industrie AG gewann das Rennen sogar mit 1950m Vorsprung! Das Kultusministerium entließ daraufhin den Ruderer wegen Unfähigkeit, verkaufte das Boot, stoppte mit sofortiger Wirkung alle geplanten Investitionen in die Weiterentwicklung von Ruderbooten und verbot per Erlass alle Forschungen auf diesem Gebiet. Die so eingesparten Finanzmittel reichten nun für die Beförderung des Steuerdirektors und der drei Obersteuerleute. Der beauftragten Beratungsfirma wurde eine lobende Anerkennung für ihre hervorragende Arbeit ausgesprochen in Verbindung mit der Option auf weitere Aufträge.

In einem neuen Erlass des Kultusministeriums über die Kooperation von Schule, Wirtschaft und Industrie in der dualen Berufsausbildung ist deshalb auch von "nützlichen und zukunftsträchtigen Erfahrungen" bei dem oben beschriebenen Pilotprojekt zu lesen. Alle Kollegien werden darin aufgefordert, zum allgemeinen Nutzen auch für die Gesellschaft diesem ermutigenden und richtungsweisenden Beispiel zu folgen. Alle müssten dabei mithelfen, denn "schließlich säßen wir ja alle im gleichen Boot".

[Autor unbekannt]



Schlagwort "Problemlösestrategie"


Eine alte Weisheit der Dakota-Indianer besagt folgendes:

"Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!"


In der heutigen Zeit sind wir aber nicht geneigt, alten Weisheiten zu vertrauen, denn wir haben etwas gegen allzu einfache Lösungen.

 Stattdessen handeln wir lieber nach folgenden Strategien:



Die Kosten all dieser Bemühungen übersteigen die Kosten, die die Anschaffung eines neuen Pferdes verursacht hätte, um ein Vielfaches.

Tja, aber so ist das eben in der heutigen Zeit, alte Weisheiten, gesunder Menschenverstand und einfache Lösungen sind nicht mehr gefragt!


[Autor unbekannt]



Schlagwort "Leistungspotenzial"


Vorwort
Der im Wort "Leistungspotenzial" verwendete Leistungsbegriff ist ein bedeutsamer. Er hat seine Wurzeln in der Grundidee des Leistungsprinzips. Dabei handelt es sich um ein übergeordnetes gesellschaftliches und wirtschaftliches Grundprinzip, nach dem Menschen für ihre guten Leistungen belohnt und für ihre Minderleistungen sanktioniert werden. Die Idee dahinter besagt, dass eine gerechte Gesellschaft diejenigen Menschen belohnt, die durch Fleiß, Talent, Produktivität, Effizienz und Innovation mehr zur Gemeinschaft beitragen als andere. Diejenigen, die dadurch die Gemeinschaft als Ganzes voranbringen, sie zukunftsfähig machen und dafür sorgen, dass sie sich positiv entwickelt, prosperiert und aufblüht, werden dafür belohnt. Menschen werden dadurch motiviert, sich anzustrengen und auch in den Wettbewerb mit anderen zu treten, um dem Ganzen zum Erfolg zu verhelfen. Gute Leistung wird dabei allgemein als positiv und erstrebenswert angesehen, ist also ein positiv besetzter Begriff.

Hauptteil
In einem fortschrittlichen Bildungssystem eines Landes sollte demnach dieses grundlegende Leistungsprinzip ebenfalls zur Anwendung kommen und eine solide Basis für das Lehren und Lernen an deutschen Schulen bilden. So ist auch auf der Seite des Hessischen Kultusministeriums zu lesen: "Die Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler gehört im Kontext der individuellen Förderung zu den zentralen schulischen Aufgaben."
[https://kultus.hessen.de/unterricht/begabungs-und-begabtenfoerderung, abgerufen 04.04.2026, 19.30 Uhr]

Die Belohnung von Lernenden im hessischen Schulsystem aufgrund besonderer Leistungen besteht in besseren Zwischen- und Abschlussnoten und dadurch verbesserten Chancen auf begehrte Studienplätze und später im Zugang zu höherbezahlten Berufen. Dabei besteht in der Schule eine einfache "Je mehr-desto mehr"-Zuordnung zwischen erbrachter Leistung und erzielten Punkten, was bedeutet "je mehr Leistung ⟹ desto mehr Punkte". Diese Zuordnung ist jedoch NICHT proportional, was fälschlicherweise sehr oft angenommen wird – das aber nur nebenbei.

In dem bekannten, 16-stufigen Bewertungssystem des Landes Hessen stellt sich das folgendermaßen dar. Ich zitiere hierzu aus dem Hessischen Schulgesetz in der Fassung vom 14. Juni 2005, §73 Abs. 4.
"Bei der Beurteilung durch Noten (Punkte) ist folgender Maßstab zugrunde zu legen:
sehr gut (15/14/13), wenn die Leistung den Anforderungen in besonderem Maße entspricht,
gut (12/11/10), wenn die Leistung den Anforderungen voll entspricht,
befriedigend (9/8/7), wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht,
ausreichend (6/5/4), wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht,
mangelhaft (3/2/1), wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können,
ungenügend (0), wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht und selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können."

Es überrascht nicht, dass der Hessische Kultusminister sich selbst und seine politische Arbeit und die seiner Landesregierung sehr gerne mit besonderen, außergewöhnlichen Leistungen der Lernenden schmückt. Er beglückwünscht sie überschwänglich und tut lauthals und medienwirksam seinen Stolz darüber kund.


[https://kultus.hessen.de/besondere-leistungen-an-hessens-schulen-4 , abgerufen am 04.04.2026, 19.30 Uhr]

Dann verwundert es jedoch um so mehr, dass bei einer Suchanfrage nach dem fundamentalen Begriff "Leistungsprinzip" auf der Seite des Hessischen Kultusministeriums (Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen) NICHT EIN einziger Treffer angezeigt wird. Die durchgeführte Suche auf ALLEN Hessen-Seiten ergibt tatsächlich KEINEN EINZIGEN TREFFER – das ist entlarvend, mehr als beschämend, peinlich und blamabel!



Ach so, noch was: Das Leistungsprinzip ist den Verantwortlichen in Hessen völlig egal, aber nicht das neue Hessen-Wappen.
Dafür war man doch tatsächlich bereit 800.000€ auszugeben!


Ist DAS denn nicht eine tolle Leistung und zugleich eine sinnvolle und zukunftsweisende Investition?


Aber was ist überhaupt "Leistung"?

Die Naturwissenschaft Physik, die sich mit Materie, Energie und deren Wechselwirkungen in Raum und Zeit beschäftigt, gibt hierzu die klare Antwort: "Leistung P (Power) ist der Quotient aus Arbeit W (Work) und Zeit t (Time)". Leistung ist also die verrichtete Arbeit pro dafür benötigter Zeit oder als Formel geschrieben ...

Die verrichtete Arbeit steht dabei auf der rechten Seite im Zähler und die benötigte Zeit im Nenner. Das hat verschiedene Konsequenzen. Verdoppelt man die Arbeit bei gleicher Zeit, verdoppelt sich die erbrachte Leistung. Benötigt man für eine bestimmte Arbeit aber die doppelte Zeit, dann HALBIERT sich die erbrachte Leistung. Die bloße Verrichtung einer Arbeit ohne Berücksichtigung der Zeit ist keine Leistung. Lässt man sich für eine bestimmte Arbeit unendlich viel Zeit, dann strebt der Nenner bei konstantem Zähler gegen unendlich und die erbrachte Leistung strebt gegen null.

In der Physik sind dabei auch jegliche Begleitumstände völlig ohne Belang. Die Leistung ist völlig unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, der Art des Vorgehens, der Verwendung von Hilfsmitteln, dem Eifer, der Mühe, der Anstrengung, von herrschender Hitze oder Kälte, dem Arbeitswillen oder den Versprechungen die Arbeit zu verrichten. Das ist nun aber ein Problem für die Lernenden, die stets glauben sie würden etwas leisten, wenn sie sich bloß bemühen zu arbeiten, wenn sie versprechen zu arbeiten oder wenn sie komplett ohne Zeitbegrenzung arbeiten (wollen).

So kann die Antwort auf die Frage "Was – ich kriege eine Fünf? Aber ich habe mich doch so bemüht!" nur lauten: "Wenn du aus dem Fenster im dritten Stock hüpfst, mit den Armen wedelst und dich bemühst zu fliegen und unten auf den Hof knallst, dann kann ich dir doch auch keine ausreichenden Flugfähigkeiten bescheinigen! Deine Leistungen im Fliegen sind mangelhaft! Ungenügend sind sie nicht, weil du ja doch gelandet bist – irgendwie!"

Das verstehen die Lernenden dann überraschend schnell und stellen keine weiteren Fragen mehr.





[Quelle: "Hägars schrecklichste Taten", Dik Browne, 4/91 - 1. Auflage, Goldmann Verlag, ISBN 3-442-07940-3
Abdruck des Cartoons mit freundlicher Genehmigung von Bulls Press.]

Das Erreichen der Lernziele und die Ausbildung von Kompetenzen kann auf zweierlei Arten sichergestellt werden:

1.)   durch Anstrengungsbereitschaft und Fleiß
2.)   durch Absenken der Ansprüche                

Die erste Methode hat den Nachteil, dass sie recht mühsam ist. Die zweite Methode hat den Nachteil, dass sie nur so lange funktioniert bis die Messlatte des Bildungsniveaus Bodenberührung hat.

Diesen Nachteil scheint man von verantwortlicher Seite jedoch in Kauf nehmen zu können.

Volksschule 1950
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20,- DM. Die Erzeugungskosten betragen 4/5 des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?
Realschule 1960
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20,- DM. Die Erzeugungskosten betragen 16,- DM. Berechne den Gewinn!
Gymnasium 1970
Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G hat die Mächtigkeit 20. Für die Menge g aus G gilt: g ist 1,- DM. In Strichmengen müsstest du für die Menge G "zwanzig" ( | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | ) Strichlein machen, für jedes Element g eines. Die Menge der Erzeugungskosten (E) ist um "vier" ( | | | | ) Strichlein weniger mächtig als die Menge G. Zeichne ein Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?
Integrierte Gesamtschule 1982
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20,- DM. Die Erzeugungskosten betragen 16,- DM. Der Gewinn beträgt 4,- DM.
Aufgabe: Unterstreiche das Wort "Gewinn" und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber!
Weiter reformierte Schule 1988
ein kapitalistischprivilegierter bauer bereicherd sich one rechtfertikunk an einen sakk kartoffeln um 4 mark. untersuche den tekst auf inhaldlische gramatische ortografische und zeichensätzungsfehler, korigire die aufgabenstellunk und demonstriere gegen die lösunk!

Der Boden (Niveau=0) ist erreicht oder?



Schlagwort "Kompetenzorientierung"


Und wie soll das weitergehen?



Bitte genau hinsehen und nachrechnen!

[Quelle: "PISA-ALARM!", Uli Stein (www.ulistein.de), 10. Auflage 2005. 
Lappan Verlag GmbH ( www.lapan.de), Postfach 3407, 26024 Oldenburg.
ISBN 3-8303-6033-9]


Schlagwort "Hochbegabung"

Begriffsklärung

Intellektuelle Hochbegabung ist die Disposition für herausragende Leistungen und nicht die Hochleistung selber. Eine Hochbegabung setzt sich zusammen aus sehr guter Motivation, Kreativität und überdurchschnittlichen Fähigkeiten auf einem oder mehreren Gebieten. Als hochbegabt wird ein Mensch bezeichnet, wenn er einen IQ von 130 oder mehr aufweist.


Viele Eltern sind der festen Überzeugung, der eigene Sprössling sei "hochbegabt". Kinder, die gelangweilt sind und den Unterricht stören, die vom Prügeln nicht abzuhalten sind, die den Drang haben zu intrigieren, andere auszulachen, laut zu schmatzen oder schlechte Noten zu kassieren, diese Kinder tun das, weil sie hochbegabt sind. So sehen das jedenfalls oft ihre Eltern! "Da kann man leider nichts machen, ... ich komme einfach nicht an mein Kind heran", sagen sie dann und fühlen sich selbst frei von jeder Schuld. Ihre schlichtweg verhaltensauffälligen Blagen richtig zu erziehen, das überfordert sie total und so ist es auch viel leichter und bequemer, die "Hochbegabung" als Grund vorzubringen und sich so aus der Verantwortung zu stehlen. Hochbegabung klingt ja auch viel schöner als ADHS, unerkannte Legasthenie oder Dyskalkulie.



Schlagwort "künstliche Intelligenz (KI)"

Begriffsklärung: Künstliche Intelligenz, abgekürzt "KI" (im Englischen "AI" für "artificial intelligence"), ist ein Teilgebiet der Informatik. Dabei geht es kurz gesagt um maschinelles Lernen, um die Automatisierung intelligenten Verhaltens, um das selbständige Entscheiden und Lösen von Problemen, um das autonome Erreichen und das Neubewerten von Zielen, um die Entstehung von Kreativität und von einem Wachsen eines Bewusstseins in einem Algorithmen verarbeitenden Computer.




Nun ist festzustellen, dass sich die KI mehr und mehr verbreitet und sich immer neue Felder für deren Anwendung auftun. Die Forschung auf dem Gebiet der KI und die Nutzung der KI nehmen sehr stark, vielleicht sogar exponentiell zu. Überall in der Industrie, bei Banken und Versicherungen, in Konzernen, in den digitalen Medien und auch in der Schule wird zunehmend KI eingesetzt. Nun ist es aber, wie es schon immer war und immer bleiben wird: werden naturgegebene Fähigkeiten wie die NATÜRLICHE Intelligenz (NI) nicht mehr genutzt, bilden sie sich zurück. Dieses Phänomen wird Reduktive Evolution oder Degenerative Evolution genannt. Das ist die Rückbildung eines Merkmals im Laufe der Stammesentwicklung.



Die ersten Anzeichen für die bereits fortschreitende degenerative Entwicklung der natürlichen Intelligenz lassen sich schon in der Gesellschaft und damit auch in der Schule erkennen. Die als "bildungsferne Schichten" bezeichneten Teile der Gesellschaft (früher "strunzeblöd" genannt) nehmen zahlenmäßig zu, weil sie ihre natürlichen Ressourcen an natürlicher Intelligenz weitestgehend verloren haben. Es ist nämlich ein gravierender Unterschied vorhanden zwischen "denken" und "Gedanken haben"!


Das Verwechseln grundlegender Begriffe ist ein sicherer Indikator für diese degenerative Entwicklung. Werden WAHR und FALSCH verwechselt, PLUS und MINUS, VERDOPPELN und HALBIEREN, HABEN und SOLL oder SONDERVERMÖGEN und SCHULDEN, dann ist es schon zu spät für eine Genesung - der Degenerationsprozess ist nicht mehr zu stoppen. Die Prognosen sind leider düster. Schon bald haben wir hier einen Planeten der Affen ...


... und alle kommunizieren nur noch mit „Ugah Ugah“.


In der Schule lernen wir Lesen, Rechnen, Schreiben.
Doch wenn wir auch noch jahrelang in der Schule bleiben
und dort mit großer Freude üben Laufen, Turnen, Singen,
das aber wird uns, das steht fest, überhaupt nichts Gutes bringen!
Und wenn wir beim Reden uns noch so sehr die Zunge tun verrenken,
das, was ausschließlich von Nöten ist, ist Denken, Denken, Denken!



Lernen macht im Wald viel Spaß
so viel Freude, das ist was.
Affe schreibt mit Kreide bunt,
nur zum Denken fehlt die Kund'.


Fazit - Abschlussbetrachtung des Deutschen Lernaggregats

Das Chaos - Zustand vollständiger Unordnung und Verwirrung




Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:

"Lächle und sei froh, es hätte schlimmer kommen können."

Und ich lächelte und ich war froh und es kam schlimmer.


"Denk ich an Deutschland"- ein Gedicht



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